Marc Geiger (Director Operations & IT bei Gleiss Lutz) über Legal Tech & die Kooperation mit LeReTo


Marc Geiger | Director Operations & IT bei Gleiss Lutz


Gleiss Lutz ist eine der führenden deutschen Anwaltskanzleien und auch in Österreich für exzellente juristische Arbeit bekannt (JUVE-Ranking, Bawag/Südwestbank-Deal). Wir haben mit Marc Geiger über Legal Tech, Innovation und die Zusammenarbeit mit LeReTo gesprochen:


Herr Geiger, Sie beschäftigen sich bei Gleiss Lutz bereits seit über zehn Jahren mit innovativen IT-Lösungen für den Anwaltsberuf. In der Branche kennt man Sie als Vorreiter und Innovationstreiber: Sie arbeiten an den Schnittstellen zwischen IT, Juristerei, strategischer Ausrichtung und praktischer Umsetzung, und haben bereits zahlreiche spannende Legal Tech-Projekte in die Praxis umgesetzt. Sie kennen die Herausforderungen solcher Projekte, …


… was motiviert Sie und Gleiss Lutz, sich immer wieder auf „das Neue“ einzulassen?

Es ist unser Anspruch bei Gleiss Lutz, nicht nur in der anwaltlichen Beratung, sondern auch in Bereichen wie dem Business Development, HR, Operations oder Technologien, eine führende Rolle einzunehmen. Um unsere Marktposition im Topsegment zu halten, sind Innovationen unerlässlich.


Wie kam es zur Zusammenarbeit mit LeReTo?

LeReTo hat für den österreichischen Rechtsmarkt das entwickelt, was wir selbst für den deutschen Rechtsmarkt entwickeln wollten, nämlich ein Tool, das juristische Dokumente mit den darin zitierten Quellen vollautomatisch verknüpft. In LeReTo haben wir also einen innovativen Technologiepartner mit derselben Vision gefunden.

Mit unserem „Virtuellen Assistenten für Rechtsinformationen“ wollten wir den aufwändigen Prozess für die Erstellung eines Anlagenkonvoluts der Gesetzes-, Rechtsprechungs- und Literaturquellen vollständig automatisieren. Und das leistet LeReTo für uns: Es identifiziert die zitierten Fundstellen und übernimmt die Erstellung des Anlagenkonvoluts. Und dass diese Lösung auch Innovationspotenzial hat, hat die Auszeichnung bei den diesjährigen PMN Management Awards in der Kategorie „Technologie“ bewiesen.


Was müssen juristische Arbeitstools mitbringen, um Ihren Qualitätsansprüchen zu genügen?

Die Anforderungen sind vielseitig: Grundsätzlich muss das Tool die Arbeit unserer anwaltlichen Praxis vereinfachen und verbessern. Daneben stehen allerdings weitere wichtige Themen, wie etwa das Erfüllen von gesetzlichen und datenschutzrechtlichen Anforderungen, die leichte Integration in unsere IT-Landschaft, die IT-Sicherheit usw. Zugleich muss das Tool aber auch intuitiv zu bedienen sein, damit der Anwender es auch nutzt. Die Liste an Anforderungen ließe sich noch erweitern, aber das würde hier den Rahmen sprengen.


Wie profitieren Ihre Mandanten von Ihren Innovationsprojekten bei Gleiss Lutz?

In vielerlei Hinsicht! Nicht zuletzt dadurch, dass wir höchst effizient und damit für unsere Mandanten kostenoptimal arbeiten.


Und was überzeugt Anwälte und Juristen von technischen Innovationen?

In vielen Fällen machen technische Innovationen das Leben der Anwälte einfacher. Sobald sie diesen Nutzen für sich und ihre Arbeit erkannt haben, sind sie leicht für technische Innovationen zu begeistern.


Wieviel Technik verträgt juristische Arbeit und wie sieht der optimale Mix aus menschlicher und technischer Kompetenz aus?

Das kann man nicht verallgemeinern und hängt auch stark von der Persönlichkeit des jeweiligen Anwalts ab. Im Prinzip ist der Arbeitsalltag eines Anwalts schon sehr von Technik und Informationstechnologien durchdrungen. Sie müssen nur einen Anwalt fragen, wie lange er ohne IT – oder selbst nur ohne E-Mails – arbeiten kann.

Der Mix liegt wohl darin, wie sehr technikaffin der Anwalt selbst ist und wie er seine Arbeitsprozesse organisiert hat. Bei allem Technikeinsatz ist es uns aber besonders wichtig, immer wieder zu betonen, dass die Rechtsberatung letzten Endes auch in Zukunft ein people business bleiben wird.


Welche Entwicklungen und Trends im Legal Tech-Bereich erachten Sie als besonders vielversprechend?

Die spannendsten Entwicklungen sind derzeit sicherlich im Bereich Intelligent Information Extraction zu sehen, also der Analyse und dem Verstehen von Informationen aus juristischen Dokumenten, wie beispielsweise Klauseln aus umfangreichen Vertragswerken herauslesen und vergleichen zu können. Ein weiteres passendes Schlagwort dazu ist Big Data.

Zugleich sind die Entwicklungsschritte rund um Smart- oder Intelligente-Dokumente sowie Dokumenten-Automatisierung ein spannendes Umfeld. Und last but not least der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Anwaltskanzleien, auch wenn hier sicherlich noch etwas Zeit verstreichen wird.